Katja Tschirwitz

Foto: Michael Pietschmann

Mut ist für mich eine der bewundernswertesten Eigenschaften, die ein Mensch besitzen kann. Wer seine Stimme erhebt und klar zu dem steht, was er denkt und fühlt, verdient höchsten Respekt. Nicht jeder schafft es, sich gegen Unrecht aufzulehnen, wenn er Gefahr läuft, damit allein zu bleiben.



Die Kunst verkörpert für mich diesen Mut. Viele Komponisten, bildende Künstler, Schriftsteller und Tänzer haben sich mit ihrem Tun gegen die Sitten oder gar gegen die politischen Systeme ihrer Zeit aufgelehnt. Und tun es heute weiter. In der Kunst wohnt eine gedankliche und emotionale Eigenständigkeit, die in unserer heutigen Arbeits- und Konsumwelt nicht immer gerne gesehen wird. Kunst darf zart, verzweifelt oder zerbrechlich sein, wütend, schrill oder impulsiv. Sie kann sich ungeschönt zeigen und muss keine Fassade aufrecht erhalten. Mir persönlich dient sie oft als Vorbild und Orientierungshilfe, sie spornt mich an, unabhängig zu denken und zu handeln.


Als Musik- und Kulturjournalistin möchte ich deutlich machen, wie relevant die Kunst für uns heute ist. Das tue ich in Tageszeitungen, Fachzeitschriften und Programmtexten für ausgewählte Institutionen. Auch in meinen Radiofeatures für den Südwestdeutschen Rundfunk im Bereich Neue Musik spüre ich der Relevanz meiner Themen nach. Damit Menschen nicht alleine bleiben mit dem, was in der Musik auf sie zu kommt, möchte ich sie in Konzerteinführungen und -moderationen emotional und intellektuell herausfordern. Im besten Fall können sie dann berührt nach Hause gehen, um dort den ein oder anderen Faden für sich selbst weiterzuspinnen.

Wir brauchen die Künste in unserem Leben. Weil sie uns an- und entspannen, zum Lachen, zum Weinen und zum Genuss verführen, aber auch, weil sie uns zu mehr Mut und Authenitizität anregen.